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BII feiert 20 Jahre internationalen Fachaustausch


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Barbara Lison
Foto: 2019, V. Münch

"Es ist immer wichtig, über den Tellerrand zu schauen und neue Ideen zu gewinnen."

Interview mit Barbara Lison


Leitende Bibliotheksdirektorin der Stadtbibliothek Bremen, derzeit Vizepräsidentin und künftige Präsidentin der IFLA ab 2021 und Sprecherin von BI-International

 

English Version

 

BI-International besteht in diesem Jahr 20 Jahre. Die Initiative wurde einst gegründet, um den internationalen Fachaustausch unter Bibliotheksexpert*innen zu fördern. Welches waren besonders wichtige Ereignisse aus Deiner Sicht?

Ein Meilenstein war organisatorisch vor ca. 10 Jahren die klare Zuordnung von BII als ständige Kommission von BID, damals BDB, und damit die Schaffung eines klaren Rechtsrahmens vor allem für die fortlaufende Finanzierung der Stipendien – dies auch dank Unterstützung der Deutschen Nationalbibliothek. Die Aufgaben von BII sind damals aus der aufgelösten Auslandsstelle des Deutschen Bibliotheksinstituts heraus entstanden. Betonen möchte ich an dieser Stelle die immer gute Kooperation mit den bisherigen BID-Präsidenten und auch der amtierenden Präsidentin und die so wichtige Vernetzung mit den deutschen Bibliotheksverbänden, die im BII-Gremium von entsandten Mitgliedern vertreten werden. Ganz wichtig ist uns auch die enge Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut als gleichwertige Partnerschaft. Seit zwei Jahren haben wir mit dem Goethe-Institut eine Kooperationsvereinbarung, die eine bisher auf Projektebene bestehende Zusammenarbeit nun als gemeinsames verbindliches Vorhaben definiert und die finanzielle Förderung der Auslandsaufenthalte für deutsche Bibliotheksfachleute dauerhaft sichert. Auch im Hinblick auf die Entsendung von deutschen Fachleuten auf die IFLA-Kongresse war BII von Anfang an engagiert. Gerade diese stetige Förderung der Teilnahme am IFLA-Weltkongress hat zu mehr aktiver Beteiligung von deutschen Kolleginnen und Kollegen bei der Gremienarbeit der IFLA beigetragen. Ein weiterer positiver Effekt der 20-jährigen Arbeit von BII ist, dass die Stipendien von BII auch für ein individuelles Engagement der Geförderten vorgesehen sind. So erwachsen und verstetigen sich oft ein persönliches Interesse und dauerhafte Kontakte zwischen Gastbibliotheken und Geförderten.

 

Du bist schon seit 2012 im Gremium und jetzt Sprecherin bei BI-International. Wie hat sich die internationale Zusammenarbeit seither entwickelt?

Sehr gut und sehr deutlich – in alle Richtungen. Deutschland hat nicht zuletzt durch die IFLA-Präsidentschaft von Claudia Lux zwischen 2007 und 2009 eine neue Position in der weltweiten Bibliothekslandschaft eingenommen. Ein weiterer Grund könnte sein, dass die jüngere Generation heute internationaler denkt, sehr interessiert an Best Practices aus dem Ausland ist und nicht zuletzt auch durch soziale Medien heute schneller neue Verbindungen sucht und aufbaut. Sicher haben auch die strukturiertere Arbeit von BII in den letzten Jahren und die Partnerlandinitiative den Fachaustausch gestärkt, nicht zuletzt durch die Librarian-In-Residence-Stipendien.

 

Wie wichtig ist die Partnerland-Initiative von BID?

Auf allen Ebenen ist dies eine sehr wichtige Initiative. Sie ist ein Symbol der Öffnung hin zu allen Bereichen der Bibliotheksszene eines anderen Landes, hin zu Best Practices und Erfahrungsaustausch. Die Partnerlandinitiative wurde 2007 gegründet - ein weiteres wichtiges Ereignis und dies erstmalig im Zusammenhang mit dem Bibliothekskongress. BII hat die Partnerland-Initiative vom Start an unterstützt. Daraus ist jeweils eine gemeinsame dreijährige Partnerlandzeit zwischen den BID-Kongressen geworden und eine Finanzierung besonderer Reisen ist auch durch BII während dieser Zeit gesichert. Auch beteiligen sich Kolleginnen und Kollegen durch Vorträge auf Kongressen in beiden Ländern. Dadurch entstehen fachlich und persönlich neue Verbindungen. Die Partnerland-Initiative wird von allen BID-Mitgliedern getragen.

 

Warum sollten sich Deutsche Bibliotheksexpert*innen für einen Auslandsaufenthalt interessieren, warum internationale Expert*innen für einen Aufenthalt in Deutschland?

Es ist immer wichtig für die eigene Entwicklung, über den Tellerrand zu schauen und neue Ideen zu gewinnen. Von Deutschland aus interessieren uns ja vor allem die Best Practices in anderen Ländern, aber wir erleben erfreulicherweise auch die umgekehrte Perspektive. Schön ist es, wenn sich daraus ein längerfristiger Kontakt und ein Dialog ergeben und sich die Stipendiat*innen für Entwicklungen in ihren Gastländern interessieren. Schön ist, wenn sich ehemalige Stipendiat*innen und Gastgeber auf internationalen Konferenzen wiedertreffen und weiter austauschen.

 

Das Jahr 2020 ist eine besondere Herausforderung. Die Pandemie lässt Reisen und Planungen kaum zu. Wie kann ein internationaler Austausch trotzdem fortgesetzt werden und gelingen?

Man soll die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich die Situation eines Tages wieder ändert und bessert. Planungen sollten über diese Coronazeit hinausgehen, und man sollte darüber hinaus denken. So lange Einschränkungen da sind, sollten digitale Möglichkeiten genutzt werden. Sie sind nicht das Optimum und können einen persönlichen Austausch nicht ersetzen. Aber vielleicht kann dies eine neue Lust auf das Reisen wecken. Wenn das Reisen wieder möglich ist, steht BII in den Startlöchern und kann das „Leiden“ für alle beenden, die jetzt gerne einen Fachaustausch im Ausland oder in Deutschland unternommen hätten. Solange wird auch BII vermehrt kommunikativ und über Social Media aktiv und sichtbar sein und Kontakt halten.

 

Wo siehst Du BI-International in den nächsten 20 Jahren?

Wenn alle immun gegen Corona sind oder geimpft? Dann ist BII nach wie vor unterstützend da. Unser großes Anliegen ist auch die Förderung des professionellen Nachwuchses. Das wollen wir deutlich machen durch entsprechende Projekte; darauf wollen wir ein spezielles Gewicht legen und hier finanziell hoffentlich stärker fördern. In dieser Hinsicht sind wir offen für neue Ideen, wie wir das noch mehr verstärken können.

 

Barbara Lison, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Elgin Jakisch, Geschäftsstelle BI-International