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„Awarness is high, but actions are low.“

Den letzten Kongresstag konnte ich leider nicht vor Ort miterleben, weil ich mit starken Kopfschmerzen, die ich auch mit Schmerzmitteln nicht in den Griff bekam, mehr oder weniger an mein Bett in meiner Unterkunft gefesselt war. Aber zum Glück wurden einige Sessions ja auch per Livestream übertragen und so konnte ich glücklicherweise noch die Key Note von Michael Peter Edson mitnehmen, den ich bereits am Vortag in der sehr interessanten Session „Climate Actions – How Can Library Collections Support Climate Adaptation and Resilience?“ erleben durfte, in der er, als die Veranstaltung für Publikumsfragen geöffnet wurde, bewusst provokant die Sprecher*innen wie auch die anwesenden Zuhörer*innen fragte, ob unser Berufsstand und unsere Institutionen nicht noch immer viel zu wenig tun, um einen wirklich entscheidenden Beitrag in der Auseinandersetzung mit der Klimakrise zu leisten.

Für Edson steht die Antwort fest. Nein, es ist nicht genug. Schon die erste Folie seines Vortrags ließ daran keinen Zweifel:

„Awarness is high, but actions are low.“

Sein Vortrag entwickelte sich dann aber doch anders, als ich es erwartet hatte. Denn unmittelbar im Anschluss forderte er das Publikum auf, Rock, Paper, Scissors zu spielen, verriet jedoch nicht, warum.

Während die Verlierer wieder Platz nahmen, spielte der Gewinner gegen einen anderen Gewinner, bis nur noch eine Person im Raum übrig war. Und wozu das Ganze?

Um zu zeigen, wie leicht es ist, Menschen mit einem spielerischen Ansatz zu motivieren und dass Leichtigkeit und Gelächter dabei helfen, sich anderen anzunähern, kommunikativ zu werden und Lösung zu finden.

Als Nächstes forderte er das Publikum auf, sich eines der 17 Sustainable Development Goals (SDGs) herauszusuchen und eine persönliche, mit diesem Ziel verbundene Story zu erzählen. Zwei Beispiele wurden dann noch mit allen im Raum geteilt:

Eine Bibliothekarin erzählte, sie habe einen Degree of Planetary Help gemacht.

Eine andere Bibliothekarin berichtete, dass sie regelmäßig im Mittelmeer schwimmen geht und dabei Plastikmüll einsammelt.

Von dort aus sprang Edson zur „Big Frickin‘ Wall“, einem Konzept, das aufzeigt, dass man mit bedachten Schritten und sorgsam abgewogenen Entscheidungen niemals dort angelangt, wo man sein sollte (die andere Seite der Mauer).

„With safe/incremental work you don’t end up there, where you need to be.“

Die Frage, die Edson zum Schluss an das Publikum richtete, war, angelehnt an ein Modell von Ethan Zuckerman, das er kurzerhand auch noch in den Ring warf: „How can thin engagement resolutions get to impactfull decisions?“

Edson führte eine Liste von Beispielen auf, die seiner Meinung nach Vorbilder für echten Aktivismus sein können. Es war eine bunte Sammlung, die ich selbst mit bestem Willen nicht hier aufführen kann, aber die Botschaft, die Edson damit vermitteln wollte, war klar:

Vermeintlich realistische Ansätze bringen uns nicht weit genug. Wir müssen größer denken und handeln. Überhaupt müssen wir mehr handeln. Wir müssen, sagte Edson mit Verweis auf die Rede von Mary Robinson, tausendmal mehr machen, als wir jetzt im Moment tun. Sich in Debatten zu verlieren, löst keine Probleme. Und es löst auch keine Probleme, wenn wir uns von diesen von vorneherein abschrecken lassen und uns nicht trauen, sie ernsthaft anzugehen und zu beseitigen.

Mary Robinson beendete ihre Rede bei der Opening Ceremony mit einem Zitat von Nelson Mandela und es erscheint mir sehr passend, es an dieser Stelle noch einmal anzubringen:

„It always seems impossible until it is done.“

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